Der Digitalisierungsbarometer für das

Bau- und Ausbauhandwerk

Eine empirische Bestandaufnahme

(Der Digitalisierungsbarometer: Ein 360° Ansatz)

Die Digitalisierung spielt heutzutage in nahezu allen Alltags- und Lebensbereichen, dem Privat- und Wirtschaftsleben eine große Rolle.  Auch ohne den Effekt der Corona-Pandemie auf die verstärkte Nutzung digitaler Angebote bedarf es keiner besonderen prophetischen Fähigkeiten, um die Aussage zu tätigen, dass diese Entwicklung noch lange nicht an ihr Ende erreicht hat.

Nicht selten wird in Anlehnung an die industrielle Revolution im 18. und 19. Jahrhundert von einer digitalen Revolution gesprochen. Auch durch diese Begriffswahl soll die Bedeutung der Digitalisierung hervorgehoben werden. Sie wird dadurch in einen geschichtlichen Kontext gestellt und kann dadurch in seinen Folgen besser verstanden werden. Auch die enorm anwachsende Vielfalt digitaler Endgeräte und Anwendungen sowie die Geschwindigkeit, mit der diese im Markt verfügbar sind, lässt durchaus den Schluss zu, dass es sich um eine revolutionäre Entwicklung handelt. Lenkt man jedoch den Blick von den Innovatoren und sog. Early Adoptern auf den breiten Mainstream (gesellschaftlich und wirtschaftlich), so sollte jedoch eher von einem evolutionären Prozess ausgegangen werden.

Das zeigt sich auch deutlich, wenn man sich beispielsweise vor Augen führt, wie in kleineren und mittelständischen Betrieben mit der Digitalisierung umgegangen wird. Hier werden nicht von heute auf morgen neue Technologien angeschafft, Prozesse umstrukturiert oder Mitarbeiter flächendeckend neu geschult. Es werden vielfach Einzelmaßnahmen umgesetzt, um einfach mal testen zu können, ob die Digitalisierung für den eigenen Betrieb, das eigene Unternehmen von Vorteil ist – ein tastendes und langsames Adaptieren an die neuen digitalen Möglichkeiten mit den entsprechenden Lern- und Erfahrungskurven.

In dieser Situation befindet sich auch das Handwerk. Seit einigen wenigen Jahren ist die Digitalisierung nach einhelliger Meinung auf der inhaltlichen Agenda ein deutlich wahrnehmbarer Faktor geworden. Allerdings ist die Wissensbasis über den aktuellen Stand der Digitalisierung im Handwerk allgemein, aber auch in spezifischen Segmenten bzw. Gewerken, durchaus ausbaufähig.

Vor diesem Hintergrund ist der Digitalisierungsbarometer als grundsätzlich kontinuierlich durchzuführbares und empirisch fundiertes Forschungskonzept entwickelt worden, um ein ganzheitliches wie auch repräsentatives Bild der Digitalisierung im Handwerk – in diesem Fall in ausgewählten Gewerken des Baus und Ausbaus – zu zeichnen.

Bei den Gewerken des Baus und Ausbaus handelt es sich um Maler, Stuckateur, Elektro, Sanitär-Heizung-Klimatechnik, Fliesen,- Platten- und Mosaikleger, Dachdecker, Zimmerer sowie Schreiner.

Die generelle Zielsetzung des Digitalisierungsbarometers ist dabei wie folgt:

  • Messung des aktuellen Digitalisierungsgrads einzelner Gewerke des Baus und Ausbaus.
  • Vergleich des Digitalisierungsgrads zwischen den analysierten Gewerken.
  • Analyse des Digitalisierungsgrads von Gewerken des Baus und Ausbaus vor dem Hintergrund spezifischer Faktoren (z.B. Betriebsgröße, Alter und Bildung des Betriebsinhabers, ländlich vs. städtisch geprägte Kundschaft).
  • Analyse der Mentalitäten von Betriebsinhabern der Gewerke des Baus und Ausbaus durch Entwicklung einer Handwerkertypologie (Mindsets als psychologische Dimension der Digitalisierung).
  • Relevanz der Digitalisierung bei Gewerken des Baus und Ausbaus aus Sicht unterschiedlicher Stakeholder (Wirtschaft, Organisationen des Handwerks, Endkunden und Jugendliche).

Mit diesem Forschungsansatz ist ein derzeit einzigartiges 360° Modell im Handwerk realisiert worden, um einen ganzheitlichen Blick auf das Digitalisierungsgeschehen werfen zu können.

Diese 360° Perspektive auf die Digitalisierung im Bau- und Ausbauhandwerk findet Berücksichtigung bei den folgenden Fragestellungen / Themen:

Organisationen des Handwerks / Wirtschaft Definition der Indikatoren zur Ermittlung des Digitalisierungsgrads der Gewerke des Baus und Ausbaus. Bestimmung der Relevanz der Indikatoren als Erwartungshaltung an eine nachhaltige, erfolgreiche Digitalisierung in einem Handwerksbetrieb im Bau- und Ausbauhandwerk.
Endkunden Bedeutung der Digitalisierung bei Suche und Auswahl eines Handwerksbetriebs. Erwartungen an digitale Angebote und Dienstleistungen eines Handwerksbetriebs es Baus und Ausbaus.
Jugendliche Bedeutung der Digitalisierung im Kontext von allgemeinen Kriterien der Berufswahl. Relevanz der Digitalisierung zur Steigerung der Attraktivität eines Berufs in den Bau- und Ausbaugewerken

Zwei weitere Aspekte des Forschungskonzept sind gleichfalls im Kontext des Handwerks einzigartig:

  1. Die Ermittlung des Digitalisierungsgrads der Handwerksbetriebe des Baus und Ausbaus geschah auf Basis einer nach Betriebsgröße repräsentativen Stichprobe, so dass vor allem die Gruppe der Kleinbetriebe mit 1 bis 4 Mitarbeiter gemäß ihrer Verbreitung adäquat berücksichtigt werden konnte.
  2. Auch die Erstellung einer Handwerkertypologie auf Basis von Einstellungen zum Handwerk (spezifische Mindsets der Betriebsinhaber) ist für diese Branche neuartig.

Zusammenfassend lässt sich somit konstatieren, dass mit dieser empirischen Studie Neuland betreten wird und zwar im Hinblick auf die inhaltliche Strukturierung der betrieblichen Digitalisierung, die Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven auf die Digitalisierung, die repräsentative Abbildung der Bau- und Ausbaugewerke sowie die Quantifizierung von Mindsets.

Zurück